Anatolischer Hirtenhund
Die FCI fasst unter dem Namen Anatolischer Hirtenhund vier Schläge dieser Hirtenhunde zusammen. Bei einer Risthöhe (Schulter) der Rüden von bis zu 85 cm und einem Gewicht von 44 bis 64 kg ist er ein wehrhafter, imposanter Hund. Teilweise fällt er auch erheblich größer aus: 90 cm und bis 80 kg können vorkommen.[7]
Gemäß FCI-Rassestandard tritt dieser Hund mächtig, aufrecht und großrahmig auf. Er hat eine kraftvolle Gestalt, ist ein Hirtenhund mit breitem, kräftigem Kopf und dichtem, doppeltem Haarkleid. Der Körper ist kraftvoll, gut bemuskelt, jedoch nicht fett. Er sollte groß und ausdauernd sein. Ferner ist diese Rasse in der Lage sich mit großer Geschwindigkeit auch längere Zeit fortzubewegen. Sehr bemerkenswert gleichmäßiger und harmonischer Bewegungsablauf mit fester, gerader Rückenlinie bei gut getragenem Hals und Kopf; dies ergibt den Eindruck eines Jägers auf der Pirsch.
Das Fell ist kurz oder halblang, dicht mit dicker Unterwolle. Aufgrund von klimatischen Bedingungen sind große Unterschiede der Haarlänge möglich. An Hals und Schulter etwas länger und dicker. Das Haarkleid tendiert im Winter zu größerer Länge als im Sommer.
Der Anatolische Hirtenhund wurde vermutlich aus doggenartigen Jagdhunden aus Mesopotamien gezüchtet. Dabei sind wahrscheinlich auch Windhunde eingekreuzt worden.[6]
Eine andere Theorie besagt, dass diese Rasse wahrscheinlich ursprünglich mit türkischen Nomaden aus Zentralasien eingewandert ist. Daher ist auch die Verwandtschaft mit der ungarischen Hunderasse Kuvasz nicht ausgeschlossen (siehe auch unter "Regionale Schläge"), von der belegt ist, dass sie mit den Ur-Magyaren ebenfalls aus Zentralasien eingewandert ist. Der Anatolische Hirtenhund ähnelt zudem sehr den Pariahunden, mit denen er als alte asiatische Rasse vermutlich ebenfalls eng verwandt ist.[7]
Die Rasse hat sich im Laufe der Zeit an ihre Umwelt angepasst. Die wichtigsten Faktoren waren hierbei das Klima, die Lebensart der Bevölkerung, sowie die den Hunden zugewiesene Arbeit. Zentralanatolien hat mit seinen heißen Sommern und den eiskalten Wintern ein sehr rauhes Klima. Ertragreicher Ackerbau war dort nicht möglich, daher war und ist die Weidewirtschaft die Lebensgrundlage der Menschen. Dies führte zu einem Bedarf an Herdenschutzhunden, welcher durch die Rasse gedeckt werden konnte. [8]
In der Türkei genießt die Rasse ein hohes Ansehen; sie ist gewissermaßen der Nationalhund, was ihr sogar zu einem Platz auf zwei Briefmarken verholfen hat.
Der Anatolische Hirtenhund ist ausgeglichen, mutig, misstrauisch gegenüber Fremden und sehr wachsam. Er ist im Normalfall ruhig, ist aber dennoch wendig und schnell. In der Dunkelheit ist seine Wachsamkeit gesteigert. Er zeigt sich gegenüber Unbekanntem eher distanziert und reserviert und ist darum sehr an seine Familie gebunden. Als Herdenschutzhund agiert er meist sehr selbständig, entwickelt einen gewissen Eigensinn und ist oft dominant. Aufgrund dieser Eigenschaften ist es umso wichtiger, ihn konsequent und vor allem früh zu erziehen, da bei einer zu spät begonnenen Erziehung der Eigensinn und die Dominanz dieser Rasse überwiegt. Die Hunde zeigen ein territoriales Gebaren mit einem Anspruch auf Individualdistanz. Darum ist ein ausgeprägtes Markierverhalten zu beobachten.
Zur Wesenseigenschaft dieser Hunde gehört aber auch die Eifersucht, wenn ihr Besitzer sich mit anderen Hunden beschäftigt und ihnen nicht die volle Aufmerksamkeit schenkt. Die Rasse ist von Natur aus scheu und berechnend. Im Spiel mit anderen Hunden ist sie oft sehr rau und zeigt mehr Mimik als andere Hunde. Zähnefletschen oder das Aufstellen der Nackenhaare, Umkreisen anderer Hunde, Fauchen und das Schlagen mit den Vorderpfoten gehören zum normalen Spiel dazu. Jedoch zeigen sie in der Regel kein Beutegreiferverhalten (Jagdtrieb).
Gemeinsam ist ihnen ein kurzes, glänzendes, anliegendes Deckhaar und ein Fellkragen, besonders bei Rüden. Alle Farben werden zugestanden, bevorzugt wird Falb (fahlgelb) mit schwarzer Maske, schwarzen Ohren und Kajal-Strich – beim Akbaş („Weisskopf“) fällt die schwarze Gesichtsmaske weg.
Der Anatolische Hirtenhund ist ein Herdenschutzhund, ein Hund also, der die Herden selbstständig gegen Beutegreifer wie den Wolf verteidigt. Er wird aber auch als Wach- und Schutzhund verwendet. Ursprünglich diente diese Rasse meistens zum Hüten von Schafen. Die Rasse hütet Herden, die grosse Distanzen auf dem Anatolischen Plateau überwinden, wobei die Hunde unabhängig von jeglichem Wetter im Freien leben.
Er verteidigt seine Herde nicht nur, sondern ist eine der Hunderassen, der die potenziellen Feinde der Herde auch aktiv bekämpft. Er kann auch mehrere Tage ohne Fressen ausharren und weicht dabei nie von der Seite seiner Herde. Der Hirte bricht oft gemeimsam mit einer Gruppe von 2 bis 5 Hunden zu den Weideplätzen auf. Meist bleiben die Hunde mit den Schafen ganz allein draußen auf der Weide und passen auf, dass sich kein Viehdieb, egal ob Mensch oder Tier, ihrer Herde nähert.
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